DESG-Präsident Matthias Große
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Quelle: SID
22.06.2026 17:27 Uhr
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DESG übt neuen Druck gegen Athleten aus - Rücktritt gefordert

Die Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) sieht sich einmal mehr schweren Vorwürfen von Athleten ausgesetzt. Sportlerinnen und Sportler des Bundesstützpunktes Erfurt, an dem auch Toptalent Finn Sonnekalb trainiert, sind offenbar zu einem Wechsel nach Inzell oder Berlin gedrängt worden. Bis kommenden Freitag sollen sie, wie zuerst der MDR berichtete, eine neue Athletenvereinbarung unterschreiben, an deren Unterzeichnung der Verbleib im Bundeskader geknüpft ist.

Die Führung des Thüringer Eis- und Rollsportverbandes e.V. forderte das DESG-Präsidium um Matthias Große in einem Schreiben zum Rücktritt auf. Auch Hendrik Dombek, deutscher Spitzen-Eisschnellläufer und Präsidiumsmitglied von Athleten Deutschland, schaltete sich ein: "Athletinnen und Athleten dürfen nicht mit dem Verlust ihres Kaderstatus, ihrer Förderung oder ihrer beruflichen Absicherung unter Druck gesetzt werden. Solche Drohkulissen sind inakzeptabel und missachten jegliche Prinzipien guter Verbandsführung."

Die Interessenvertretung deutscher Spitzensportler forderte die DESG auf, die gesetzte Frist unverzüglich auszusetzen und den betroffenen Athletinnen und Athleten schriftlich zuzusichern, dass ihnen aus ihrer Entscheidung über den Trainingsstandort keine Nachteile entstehen. Außerdem solle die DESG ein "sportfachliches Konzept" vorlegen, das die neue Standortsituation nachvollziehbar begründe.

Der Thüringer Eis- und Rollsportverband klagte an: "Die Athleten, die Sie (die DESG-Verantwortlichen; d.Red.) nach eigenem Bekunden als Angestellte, ähnlich den Spielern bei Bayern München, betrachten, haben sich dem zu fügen und an einen der beiden Standorte zu wechseln. Eine Diskussion dazu findet nicht statt. (...) Die Erklärung, dass das Präsidium der DESG dies so beschlossen habe und das nun gilt, reicht bei weitem nicht aus. Das Präsidium dient dem Sport und den Sportlern – und nicht die Sportler dem Präsidium."

Aufgrund der jüngsten Entwicklung hat sich auch der für Sport zuständige Thüringer Minister Stefan Gruhner eingeschaltet und in einem Schreiben an den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) gewandt.

Die DESG ist in den vergangenen Monaten immer wieder von Athleten beschuldigt worden, Druck auf sie auszuüben.

Athleten Deutschland sieht einmal mehr den DOSB und die zuständige Sportpolitik in der Pflicht. "Der DOSB als Dachverband und der Bund als zentraler Fördermittelgeber dürfen nicht zusehen, wenn Athletinnen und Athleten in existenziellen Fragen unter Druck geraten. Sie müssen gegenüber der DESG auf die sofortige Beendigung dieser Vorgehensweise hinwirken und sicherstellen, dass die Betroffenen ohne Repressalien an einer fairen Klärung beteiligt werden", urteilte Athleten Deutschland. Auf SID-Anfrage äußerten sich DOSB und das für den Sport zuständige Bundeskanzleramt am Montag zunächst nicht.

Verbandsautonomie dürfe "nicht bedeuten, dass Athletinnen und Athleten existenziell abhängig gemacht und bei berechtigtem Widerspruch unter Druck gesetzt werden. Der DOSB und die Politik müssen jetzt einschreiten", erklärte Johannes Herber, Geschäftsführer von Athleten Deutschland.

Der frühere Basketball-Nationalspieler setzt seine Hoffnungen in das Sportfördergesetz, das noch vor der parlamentarischen Sommerpause Mitte Juli durch den Bundestag beschlossen werden soll. Dieses müsse allerdings noch "nachgeschärft werden", erklärte Herber, nicht zuletzt im Bereich Good Governance.

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