Als Marta Kostjuk erstmals ihr Ticket für das Halbfinale der French Open gebucht hatte, kämpfte sie noch auf dem Court Philippe-Chatrier mit den Emotionen. Die Mischung aus der Freude über ihren großen Triumph, aber auch der Anspannung wegen des in der Heimat weiterhin tobenden Krieges trieb der 33-Jährigen die Tränen in die Augen.
"Wir hatten wieder eine sehr schwierige Nacht in der Ukraine, vor allem in Kiew, mit vielen toten Menschen", sagte Kostjuk nach dem 6:3, 2:6, 6:2 gegen ihre Landsfrau Elina Switolina: "Ich will dieses Match den ukrainischen Leuten und ihrer Widerstandsfähigkeit widmen."
Kostjuk nutzt die großen Tennisbühnen der Welt immer wieder dafür, um auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine aufmerksam zu machen. Schon nach dem Erstrundensieg gegen die gebürtige Russin Oksana Selekhmeteva hatte sie offenbart, dass am Tag des Duells "nur 100 Meter vom Haus meiner Eltern entfernt eine Rakete eingeschlagen" sei.
Nun wartet mit Mirra Andrejewa, die nach einer Machtdemonstration in nur 56 Minuten 6:0, 6:3 gegen die Rumänin Sorana Cirstea gewann und zum zweiten Mal das Halbfinale in Paris erreichte, wieder eine Russin. Seit Beginn des Krieges vor vier Jahren verweigert Kostjuk den Handschlag am Netz mit russischen Spielerinnen.
Aus sportlicher Sicht blendet Kostjuk ihre Sorgen um die Heimat auf bemerkenswerte Art und Weise aus. Schon vor den French Open hatte sie die Turniere in Rouen und Madrid gewonnen, auf Sand ist Kostjuk in dieser Saison noch ungeschlagen. Nun will den größten Erfolg in ihrer Karriere feiern - auch für ihre Heimat.










