Ein bisschen Puderzucker hier, ein Klecks Sahne da - in seiner ganz persönlichen Konditorei, irgendwo im Norden Deutschlands, bastelt Stefan Hübner bereits seit Jahren akribisch am süßen Erfolg. "Es ist – auch wenn es vielleicht blöd klingt – wie wenn man eine Torte backt und diese am Ende mit dem letzten Finish abrundet", erklärt der Trainer, wenn er auf seinen langen Weg bis zum erhofften ersten Titel mit den Volleyballern der SVG Lüneburg blickt.
Die bislang erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte könnten er und sein Team nun sogar mit der sprichwörtlichen Kirsche garnieren. Denn die Lüneburger starten von der Pole Position aus in die Playoffs um die Meisterschaft, nach dem ersten Pokalsieg der Klubhistorie winkt nun sogar das Double. "Die Jungs sind heiß darauf", erzählt Hübner im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID): "Aber es kommen noch viele Aufgaben auf uns zu."
Die erste davon wartet ab Samstag (19.00 Uhr/Dyn) im Viertelfinale, dann trifft die SVG in der Best-of-three-Serie auf die WWK Volleys Herrsching. "Kein einfacher Gegner", wie Hübner betont. Dass seine Mannschaft es an guten Tagen jedoch mit so ziemlich jedem aufnehmen kann, hat sie in dieser Saison schon mehrfach unter Beweis gestellt. Auch der Serienmeister Berlin Recycling Volleys, hinter Lüneburg in diesem Jahr nur Zweiter der Hauptrunde, musste das bereits schmerzlich erfahren.
Und so scheint in diesem Jahr die Chance, die Berliner nach neun Meisterschaften in Folge vom Thron zu stoßen, so groß wie nie zuvor. Die gestiegene Erwartungshaltung nimmt Hübner gelassen hin. "Die Leute glauben mehr daran, das tut auf jeden Fall gut", sagt der 50-Jährige, gleichzeitig wisse das Team, dass man durch Platz eins mit Blick auf die Meisterschaft "noch nichts erreicht" habe.
Doch der erste Schritt ist gemacht - und das feiert man in Lüneburg neuerdings mit sogenannten "Zwischenstandspartys". Das seien "keine ausufernden Feiern, sondern einfach kleine Gelegenheiten, bei denen wir auch kleine Erfolge würdigen, damit man das alles nicht für selbstverständlich nimmt. Wir halten kurz inne und genießen den Moment zusammen", erklärt Hübner. Nicht immer stehe dabei das Sportliche im Mittelpunkt, so werde durchaus auch mal auf eine bestandene Prüfung von Youngster Axel Enlund angestoßen, wie der SVG-Coach berichtet.
Denn Hübner will im schnelllebigen Geschäft des Profisports nicht alles als gewöhnlich hinnehmen. Sein Weg mit Lüneburg ist es jedenfalls nicht. Seit der Bundesliga-Premierensaison der SVG im Jahr 2014 prägt der einstige Nationalspieler den Verein, der konstante Aufstieg der vergangenen Jahre mündete im März im ersten Titel seit der Klub-Gründung.
Im Moment des Pokalsiegs habe sich "alles explosionsartig entladen", die Feier sei "kurz und intensiv" gewesen, berichtet Hübner, der auch den langjährigen Prozess zu schätzen weiß. Denn der Weg und damit das "Fundament" seiner Torte sei "genauso viel wert wie der Erfolg an sich". Doch der Hunger ist noch nicht gestillt - im Gegenteil: "Das macht allen Lust auf mehr."










